ANWÄLTIN DER TIERE – Interview mit der Autorin, Moderatorin und TV-Journalistin Tatjana Geßler


„Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt.“

Dieses Zitat von Christian Morgenstern erscheint auch heute noch sinnbildhaft für unseren Umgang mit unseren Mitgeschöpfen. Obwohl kaum ein anderes Land mehr Tierschutzvereine aufzuweisen hat wie Deutschland, sind wir doch auch Negativweltmeister bei den Tierversuchen und der Massentierhaltung. Wie das zusammenpaßt, fragten wir die Tierschützerin und TV-Journalistin Tatjana Geßler, die seit Jahren im SWR in der Landesschau Baden-Württemberg für die Rechte der Tiere eintritt.


Liebe Frau Geßler, bevor wir zum Thema Tierschutz kommen, zuerst einmal ein paar Fragen zu Ihrem beruflichen Werdegang: Wie wird man TV-Journalistin und Moderatorin beim SWR?


Tatjana Geßler:
 Bei mir war das kein ganz klassischer Weg. Ich bin Diplom-Wirtschafts-Ingenieurin, habe also nicht Journalismus studiert, aber gleich nach dem Abitur für Zeitung (Südkurier) und Hörfunk (Radio Regenbogen) gearbeitet. Dann war ich drei Jahre lang Texterin bei einer großen Stuttgarter Werbeagentur. 1998 habe ich ein Volontariat beim SWR gemacht. Hier lernt man von der Pike auf das Handwerk des TV-Journalisten: Wie wird gedreht? Wie wird geschnitten? Wie wird recherchiert?

Was die Moderation angeht, da finden immer mal wieder Castings statt, um zu sehen, wer sich für Tätigkeiten vor der Kamera eignet. Dabei erlebt man manche Überraschung. Sie kennen den Effekt vielleicht von den Urlaubsfotos: Die einen wirken vor der Kamera überhaupt nicht und andere vielleicht etwas besser. Dann muß man noch mit der Live-Situation klarkommen, was auch nicht immer einfach ist. Und wenn dieses Gesamtpaket paßt, kann ein Redakteur auch Moderator werden.


Beim SWR sind Sie seit einigen Jahren „die“ Tierschutzexpertin. Wie kamen Sie zum Tierschutz? Gab es hier irgendein Schlüsselerlebnis?

Tatjana Geßler: 
Ich bin ein Tierarztkind in der 4. Generation. Mein Vater, mein Opa und mein Uropa waren Tierärzte. Da bekommt man das Thema Tierschutz quasi mit der Muttermilch. Ich bin zudem auf dem Dorf großgeworden. Und wenn hier ein Spatz aus dem Nest gefallen ist oder eine Katze angefahren wurde, dann landeten die meistens bei uns. Und mein Vater hat gerne Kleintiere zum Aufpäppeln an mich weitergegeben.

So bin ich schon als Sechsjährige jeden Tag mit dem Fahrrad zum Reitstall gefahren und habe sehr viel Zeit mit Pferden verbracht. Ich liebe Tiere, und so kam das Thema Tierschutz ganz zwangsläufig. Seit 13 Jahren gibt es nun in der SWR Landesschau Baden-Württemberg eine Rubrik, die zuerst „Tatjanas Tiergeschichten“ hieß und seit etwa drei Jahren reine Tierschutzthemen behandelt. Hier können wir viele Menschen erreichen und auf Mißstände aufmerksam machen.


Ganz nebenher haben Sie mehrere Bücher geschrieben. Wie kam es dazu?

Tatjana Geßler: 
Ich habe schon immer gerne geschrieben und war ja auch Texterin in einer Werbeagentur. Als dann meine Tierrubrik in der Landesschau erschien, kam der Silberburg Verlag und fragte an, ob ich nicht auch ein Buch zu dieser Serie veröffentlichen wolle. Ich habe drei Begleitbücher verfaßt, und das hat mir so viel Spaß gemacht, daß ich ganz frech den Thienemann-Esslinger Verlag angerufen habe. Das ist der Verlag meiner Kindheit mit „Momo“, „Michael Ende“, „Räuber Hotzenplotz“, etc.

Und wie es der Zufall so will, hat man dort just in dem Moment jemanden gesucht, der eine Tierarztserie schreibt. Da kam ich wie gerufen. So habe ich mittlerweile 16 Bücher geschrieben. Die erste Serie war: „Unsere Tierklinik“ die spielt in der Nähe von Heidelberg, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Das sind acht Bände. Dann habe ich „Zu Hause im Zoo“ geschrieben mit vier Bänden. Und die neue Serie heißt: „Karlchen - Retter auf vier Pfoten“.

„Unsere Tierklinik“ ist die erfolgreichste Serie und erscheint inzwischen in neun Ländern, unter anderem in Japan, Italien, Frankreich, Tschechien und Polen.


Da haben Sie ja etwas ganz Außergewöhnliches geschafft. Ganz wenige deutsche Autoren werden in andere Sprachen übersetzt ...

Tatjana Geßler:
 Das stimmt. Ich glaube, nur 10 % aller Autoren im Thienemann Verlag haben überhaupt einen Auslandstitel. Was aber auch zeigt, daß die Schriftstellerei kein einfaches Brot ist. Mit dem Bücherschreiben kann man nicht reich werden. Das ist mehr Spaß an der Freude …


Apropos Spaß und Freude. Nun müssen wir – leider – zum ernsteren Teil des Interviews übergehen, nämlich zum Thema Tierschutz. Ich habe selbst viele Artikel zu diesem Thema verfaßt und zahllose Tierschutzorganisationen vorgestellt. Das größte Paradoxon ist für mich, daß wir das Land mit den meisten Tierschutzvereinen auf dem Planeten Erde sind und gleichzeitig 2017 alle Rekorde gebrochen haben, was Tierversuche und Massentierhaltung angeht. Alljährlich werden hierzulande 750 Millionen Tiere geschlachtet, und fast 3 Millionen Tiere leiden oder sterben bei Tierversuchen. Wie paßt das zusammen?


Tatjana Geßler:
 Diese Frage stelle ich mir jeden Tag! Und ich habe zum diesem Thema schon unzählige Diskussionen geführt. Wie etwa mit einer Hundetrainerin. Da frage ich dann: „Wie kannst du Tiere lieben und am Abend Grillen gehen? Stell dir einmal vor, hier würden kleine Schweinchen auf dem Trainingsplatz herumlaufen.“ Doch die Antwort lautet immer: das sei etwas ganz anderes.

Es ist mir unerklärlich, wie die Menschen noch immer die Augen verschließen können vor dem, was tagtäglich in unseren Schlachthäusern vor sich geht. Da dürfen Hund und Katze auf dem Sofa sitzen, und das Schwein, das drei Mal intelligenter ist als zum Beispiel der Hund, wird im Schlachthaus getötet. Für mich ist das schizophren und ein Widerspruch, der mir unbegreiflich bleibt.


Ich gebe zu, daß ich (noch) kein Vegetarier bin. Es gibt doch aber auch Tierzüchter, die sich zumindest um eine „artgerechte Tierhaltung“ bemühen. Macht das für Sie keinen Unterschied?
 

Tatjana Geßler:
 Natürlich tut es das. Doch ist das leider nur eine ganz kleine Minderheit von vielleicht 1 %. Durch meine Reportagen kenne ich aber auch die unzähligen Schattenseiten. Deshalb möchte ich noch einen Schritt weitergehen: Unsere Mitlebewesen sind genau wie wir Säugetiere, die leben wollen. Und es gibt auch kein artgerechtes Schlachten. Was soll das sein: artgerechtes Sterben? Kein Lebewesen will sterben. Die Tiere spüren, was auf sie zukommt. Wenn tagtäglich Millionen Tiere qualvoll umkommen, nur um uns ein paar Sekunden Genuß zu ermöglichen, dann beschäftigt mich das. 

Wenn man zudem bedenkt, was am Fleischkonsum noch alles dranhängt: Die globale Umweltzerstörung, oder die 75 % des globalen CO2-Ausstoßes, die aus der Massentierhaltung kommen. Dazu die Verschmutzung des Grundwassers, die hohe Nitrat-Belastung durch Gülle. 60 % der globalen Getreideernte gehen in die Mast. Wir könnten den Hunger der Welt besiegen, wenn keiner mehr Fleisch essen würde. Dazu die Abholzung der Regenwälder, Antibiotikaresistenzen etc. Man könnte mit kaum einer anderen Verhaltensänderung mehr Fliegen mit einen Klappe schlagen, als wenn man auf den Fleischkonsum verzichten würde.


Jeder Mensch steht an einem anderen Punkt seiner Entwicklung. Sie sind in einer Tierarztfamilie aufgewachsen, ihr Nachbar vielleicht in einer Metzgerfamilie. Und doch spürt man, daß seit einigen Jahren ein Umdenken stattfindet. Dazu tragen auch so schockierende Bilder bei wie Ihre letzte Reportage zum Thema „Tiertransporte“. Ich habe mir diese vor unserem Interview angeschaut und stehe noch immer unter Schock. Es ist mir unbegreiflich, wie unmenschlich mit den Tieren umgegangen wird. Wie halten Sie diese Bilder aus?

Tatjana Geßler: 
Mir ging es nicht anders wie Ihnen. Mir sind auch die Tränen heruntergelaufen. Ich mußte ja den Film schneiden und mir deshalb manche Szenen mehrfach anschauen. Ich habe in der Woche sehr schlecht geschlafen. Und mein Mann hat mir gesagt, daß ich zwischendurch Abstand halten muß, um nicht an diesen Bildern kaputtzugehen.

Nach so einer Reportage tut es mir gut, mich mit einem leichteren Thema zu befassen, da meine Seele Erholung braucht. Aber wenn ich sehe, daß sich etwas tut, gibt mit das neue Kraft. Meine Dokumentation über „illegalen Welpenhandel“ haben allein im Internet 1,9 Millionen Menschen angeschaut. Und da hoffe ich, daß diese Zuschauer keine illegalen Welpen mehr kaufen werden. 
Ich sehe das inzwischen nicht mehr als Kampf gegen Windmühlen, sondern bin überzeugt, daß jede Veränderung schrittweise stattfindet. Alle großen Umbrüche in der Geschichte haben ihre Zeit gedauert. Ob es der Sklavenhandel war – da sind auch am Anfang einige Wenige aufgestanden und haben sich am Ende durchgesetzt. Oder die Frauenrechte, die immer mehr Kontur annehmen. Und nun ist es das Tier, für das sich dringend etwas ändern muß. Und ich bin sicher, daß wir hier auf dem richtigen Weg sind.


In der Landesschau fungieren Sie als „Anwältin der Tiere“. Für all jene, die diese Sendung nicht regelmäßig anschauen: Was ist Zweck und Inhalt der Beiträge?


Tatjana Geßler:
 Früher hieß die Sendung: „Tatjanas Tiergeschichten“. Heute heißt sie: „Tierexpertin in der Landesschau Baden-Württemberg unterwegs“. Oder auch: „Anwältin der Tiere“. Der Zweck der Sendung ist, zu zeigen, was man tun kann, damit es den Tieren besser geht. Das beginnt beim Artenschutz, geht über Tiertransporte bis hin zum Tierhandel. 

Kürzlich habe ich einen Beitrag gemacht über schwer verwahrloste Pferde. Und einen anderen über den Auerochsen. Der war ausgestorben – es gibt jedoch eine Rückzüchtung. Mit der „Tierrettung Mittlerer Neckar“ bin ich auch schon ein paar Mal mitgefahren. Das Themenspektrum umfaßt ein weites Feld. Es geht dabei aber immer um das Wohl der Tiere.


Es gab auch einmal eine Sendung, die „Tatjanas Tiervermittlung“ hieß. Einer unserer Leser hat kürzlich angefragt, ob es nicht verrückt sei, Tiere aus Spanien oder Rumänien zu adoptieren, wenn unsere eigenen Tierheime voll sind. Wie sehen Sie das? Welche Tiere vermitteln Sie?

Tatjana Geßler: 
Das sehe ich etwas anders. In deutschen Tierheimen geht es den Tieren in der  Regel gut. Wer die Zustände in anderen Ländern erlebt hat, wird mir sicher zustimmen. Dort werden Tiere oft auf bestialischste Art und Weise umgebracht. Verglichen damit, leben Tiere in deutschen Tierheimen im Paradies.
Deshalb möchte ich auch nicht in „entweder -oder“ denken. Jeder soll dort helfen, wo er kann. Ich setze mich für beides ein: Ich bin Schirmherrin einiger regionaler Projekte, unterstütze aber auch ein rumänisches Tierheim. Meine Sendung „Tatjanas Tiervermittlung“ gibt es nicht mehr. Ich vermittle nur noch Tiere über Facebook.


Gibt es ein regionales Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt und das unsere Leser vielleicht unterstützen könnten?


Tatjana Geßler: 
Ja, das gibt es. Ich bin Schirmherrin des Projektes „Silberpfoten“ in Stuttgart-Botnang. Das läuft seit ca. fünf Jahren und ist ganz großartig. 2017 haben wir dafür den deutschen Tierschutzpreis bekommen. Entstanden ist das Projekt, weil sich in den Tierheimen immer Dramen abspielen. Nämlich, wenn ältere Menschen ihre Tiere abgeben müssen, weil sie sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr halten können. Da haben wir überlegt: Was könnte man denn hier tun?

So haben wir „Silberpfoten“ ins Leben gerufen, wo inzwischen über 600 Freiwillige mitmachen und dafür sorgen, daß auch kranke ältere Menschen ihr Tier behalten können. Indem sie z. B. mit dem Hund Gassi gehen oder die Katze zum Tierarzt bringen, wenn sie etwas hat. Oder wir bringen Futter ins Haus, wenn ältere Menschen nicht mehr mobil sind.

Das Besondere an diesem Projekt ist, daß Mensch und Tier gleichermaßen geholfen wird. Es entstehen Freundschaften und vieles andere mehr. Gerade ältere Menschen sind oft einsam, wenn sie den Partner verloren haben. Da ist das Haustier manchmal der einzige „Ansprechpartner“ …


Liebe Frau Geßler, ganz herzlichen Dank für das Gespräch und Ihre wichtige Arbeit.


Das Interview führte:
Michael Hoppe

Foto: Eva Barthel


Weitere Informationen:
Auf Facebook z.B. unter 
„Tatjana Geßler Tierschutz“ oder „TV Moderatorin Tatjana Geßler“

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WAS MACHEN WIR, WENN ES KEINE LUFT MEHR ZUM ATMEN GIBT? - Interview mit dem Comedian, Vegetarier und Tierschützer KAYA YANAR

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaya Yanar ist auf der Bühne ein echtes „Multi-Kulti-Talent“. Bekannt wurde der deutsch-türkische Comedian vor allem mit den Bühnenfiguren, die er in der Fernsehshow „Was guckst du“ verkörperte. Keine Sendung ohne den Türsteher Hakan („Du kommst hier net rein“) mit dem harten Blick und dem doch manchmal weichen Herz, oder dem tollpatschigen Ranjid, der als Süperagent den deutschen Alltag auf der Straße gehörig durcheinander bringt. Dank der Fähigkeit, deutsche Klischees mit denen anderer Kulturen zu vermischen, besitzt Kana Yanar längst Kultstatus unter seiner großen Fanschar. 

Lachtränen garantiert auch Yanars aktuelles Programm „Ausrasten für Anfänger“, mit dem der Comedian derzeit durch die Lande tourt. Zwischen den einzelnen Auftritten nahm sich Kaya Yanar Zeit, dem NATURSCHECK unter anderem die Frage zu beantworten, warum er Vegetarier ist – und warum Humor auch in politisch schwierigen Zeiten die beste „Waffe“ bleibt.


Lieber Kaya Yanar, in Ihrer Kult-Comedyreihe „Was guckst du?“ sind Sie in verschiedene Rollen geschlüpft, haben dabei auch erfolgreich mit kulturellen Klischees gespielt und humorvoll für mehr Toleranz zwischen einzelnen Kulturkreisen geworben. Im Moment gibt es weltweit viele politische Baustellen. Bei welchen aktuellen Konflikten würden Sie gerne wieder in eine Ihrer Rollen schlüpfen, um den täglichen Nachrichtenwahnsinn auf die Schippe zu nehmen?

Kaya Yanar: In den aktuellen Diskussionen geht es um viele Ängste, aber auch um hartnäckige Vorurteile und Klischees. Teilweise sind es Vorurteile, die wir in der Öffentlichkeit nicht aussprechen dürfen, weil wir selber nicht verurteilt werden wollen.

In meiner Ethno-Comedy werden verschiedene kulturelle Situationen übertrieben dargestellt. Ich machte schon immer bewußt keinen Halt vor Vorurteilen oder Klischees. Warum auch? Sie existieren, auch wenn wir dies manchmal nicht zugeben wollen. Und durch einen gezielten Witz können die Menschen über die Themen einfach mal befreit lachen und sich vor jeglichen Zwängen der Gesellschaft lösen.

Ich mag die Rollen, weil sie daran erinnern, daß hinter jedem Thema auch nur ein Mensch steckt, mit seinen Unsicherheiten und Fehlern. Deshalb erschuf ich auch eine Rolle wie beispielsweise Hakan, der einem ungezogenen türkischen Migranten ein Gesicht gibt und über den wir schmunzeln können, weil er eigentlich nicht so böse ist, wie er nach außen gerne tut.

In der aktuellen Flüchtlingsproblematik wäre ein solcher Ansatz nicht schlecht, und ich glaube, daß ein Format wie „Was guckst du?“ daher auch in die heutige Zeit passen würde. Von narzißtischen Politikern bis zu kulturellen Mißverständnissen zwischen Ausländern und Deutschen könnte man alles wunderbar spielen und vielleicht etwas Ernsthaftigkeit aus der Situation nehmen.
 

Können wir Ihnen ein aktuelles Statement zu den beiden brisanten Themen „Integration“ und „Rechtsruck in Europa“ entlocken?

Kaya Yanar: Generell bin ich ein Komiker, der die Menschen zum Lachen bringen möchte, und kein Politiker. Ich sehe die Welt nicht links oder rechts, nicht schwarz oder weiß, sondern ziemlich bunt ;-) Ich verurteile aber generell keine Menschen, sondern überlege mir, weshalb sie eine gewisse Meinung vertreten. Aus meiner Kindheit kenne ich natürlich die Schwierigkeiten und Hürden einer ausländischen Familie, ich habe aber auch sehr viel Wohlwollen der Deutschen erlebt und bin bis heute dafür dankbar.

Das Thema ist für mich für ein klares Statement zu komplex, aber ich glaube, unschöne Diskussionen gehören leider dazu, wie eine gesunde Beziehung auch eine Streitkultur braucht. Wir sollten uns dabei aber gegenseitig auch zuhören, sonst bringt alles nichts. Weiterhin sollten wir über die Flüchtlingsursachen nachdenken und nicht nur über die Symptome. Die Flüchtlinge sind nur ein Spielball der globalen Politik und wir eigentlich auch - nur sind wir zufälligerweise momentan auf der angenehmeren Seite.


Ihre Eltern stammen ursprünglich aus der türkischen Stadt Antakya. Sie sind in Frankfurt am Main aufgewachsen. War die Großstadt Frankfurt für Sie ein guter Nährboden für die Entwicklung von humorvollen und multikulturellen Parodien auf der Bühne?

Kaya Yanar:
Ja sehr. Ich hatte Freunde aus allen möglichen Herkunftsländern und zehre heute noch von diesen frühen Begegnungen in meinem Leben. Es war wirklich der perfekte Start für eine Ethno-Comedy-Karriere und machte mich zu einem lebenslangen Fan von unterschiedlichen Sprachen und Kulturen.


Ab wann reifte in Ihnen die Idee, beruflich auf der Bühne zu stehen. Gab es da Aha-Erlebnisse?

Kaya Yanar:
Ehrlich gesagt, habe ich lange nicht gewußt, wo es mit mir hingehen soll. Irgendwie paßte ich einfach nicht in die Gesellschaft. Ich habe dann mit kleinen Animations-Jobs auf Messen und Geburtstagen begonnen, war dann aber immer unzufrieden, weil ich die Witze der Agentur vorlesen mußte. Die Witze waren in meinen Augen ziemlich schlecht, also schrieb ich meine eigenen und machte bei Comedy-Wettbewerben mit. Als Vorbilder hatte ich einige bekannte Gesichter aus den USA und Großbritannien. Die klassische reduzierte Stand Up Comedy fasziniert mich bis heute und prägt auch immer noch meine aktuellen Bühnenshows.


Sie sind Veganer und setzen sich unter anderem für die Tierschutzorganisation PETA ein. Seit wann und warum sind sie Veganer?

Kaya Yanar:
Irgendwann habe ich mir überlegt: „Was … wenn Petrus eine Kuh ist?!“. Könnten Sie diesem Petrus vor dem Himmelstor in die Augen schauen? ;-) Ich bin seit 11 Jahren Vegetarier und versuche mich nun seit 4 Jahren vegan zu ernähren, was sich leider auf der Tour als ziemlich schwierig erwies. Teilweise kann ich also nicht 100 Prozent vegan leben, auf Fleisch verzichte ich aber seit 11 Jahren komplett.


Welche Tipps haben Sie für Menschen, die sich oder ihre Kinder gesünder ernähren möchten?

Kaya Yanar:
Ehrlich gesagt, ist das für mich nicht immer einfach. Auf Tour sitze ich oft stundenlang im Auto, und unterwegs gibt es auch nicht immer das beste Essen. Aber generell sollten die Mahlzeiten so naturbelassen sein, wie es halt in der heutigen Gesellschaft möglich ist. Wir sind zum Beispiel total verzuckert. Es ist schon eine Sauerei, in wie vielen Produkten im Supermarkt Zucker beigesetzt wurde, ohne daß wir es wissen! Smoothies liebe ich, Fertiggerichte gehen gar nicht! Außerdem versuche ich mich regelmäßig zu bewegen.


Was muß sich Ihrer Meinung nach in der heutigen Landwirtschaft am dringendsten ändern, damit das Tierwohl und die Artenvielfalt gefördert werden?

Kaya Yanar:
Daß die Tiere immer noch als Lebewesen zweiter Klasse gesehen werden, macht mich traurig. Sie sollten nicht als Nutztiere gesehen werden. Wenn sich diese Grundeinstellung und die entsprechende Empathie für die Lebewesen ändern würde, würde sich, meiner Meinung nach, sehr vieles automatisch verbessern.

Dasselbe gilt für die Erde. Weder die Erde noch die Tiere existieren, um der Menschheit als Untertan zu dienen. Der Mensch hat sich Erde und Tiere Untertan gemacht, und was ist dabei herausgekommen? Globale Erwärmung, Abholzung des Regenwaldes, Aussterben verschiedener Tierarten. Wir tun so, als ob wir das wichtigste Wesen im Universum sind, aber was machen wir, wenn es keine Luft mehr zum Atmen gibt? Wir sind von dieser Erde abhängig und sollten uns um sie und alle Lebewesen darauf kümmern. Das ist meine Überzeugung.


Sie haben unter anderem Philosophie studiert. Können Sie sich noch an ein philosophisches Zitat aus Studientagen erinnern, das Sie bis heute prägt?

Kaya Yanar:
„Ich weiß, daß ich nichts weiß.“ - Sokrates … war das Motto in meinem Studium und bewahrheitet sich bis heute noch in meinem Leben.


Soziales Engagement scheint Ihnen wichtig zu sein. Sie unterstützen auch den Förderverein für krebskranke Kinder in Tübingen. Wie sieht Ihr Engagement für krebskranke Kinder aus, und gibt es weitere Initiativen, die Sie mit Ihrem Namen unterstützen?

Kaya Yanar:
Ja, dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen. Ich besuche seit einigen Jahren die Kinderkrebsabteilung in Tübingen. Dabei konnte ich die Kinder kennenlernen, mich mit ihnen unterhalten und habe versucht, sie etwas abzulenken. Die Begegnungen haben mich sehr fasziniert, weshalb ich irgendwann beschloß, einen ganzen Auftritt diesen Kindern zu widmen.

Nun organisieren wir für den 17. Dezember 2018 die Bühnenshow mit dem Titel „Unsere kleinen Krieger“ in Stuttgart, bei dem sogar mein Kollege, Martin Rütter, mit auf der Bühne stehen wird. Dies ist eines meiner größeren Projekte, für welches mein Team die Organisation komplett übernommen hat. Nebenbei hatte ich immer wieder kleinere Engagements für Menschen und Tiere, aber ich möchte für die Zukunft mehr Zeit für eigene Benefiz-Projekte investieren.


Herr Yanar, wir bedanken uns für das interessante Gespräch.

 

Das Interview führte Andreas Scholz
Foto: Daniel Preprotnik 
 

Zusatzinfo:
 Aktuelles Live-Programm "Kaya Yanar: Ausrasten für Anfänger"

Termine in der Nähe der NATURSCHECK-Region:
24.03.2018 Stuttgart (Porsche Arena)
25.03.2018 Karlsruhe (Konzerthaus)
09.11.2018 Pforzheim (ConcressCentrumPforzheim)
17.12.2018 Stuttgart (Benefizevent in der Liederhalle) 

Weitere Infos unter:
www.kaya-yanar.de

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Seit 1.11.2017 ist unsere neue Internetplattform www.fooodworld.com online. Und wir suchen noch aktive Mitstreiter!

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Mit fooodworld.com vernetzen wir ganzheitlich denkende Journalisten, PR-Leute und Filmemacher, innovative Food-Blogger und leidenschaftliche Köche, Küchen-Philosophen und Teller-Psychologen, Bier- und Wein-Sommeliers, Kräuterpater und Kräuterhexen, Ökopioniere und Biobauern, und alle jene, die sich aktiv für nachhaltige Ernährung einsetzen.

Unser Ziel
ist – gemeinsam mit Ihnen, alle regionalen Unternehmen, Erzeuger, Händler und Gastronomen auf Nachhaltigkeit zu prüfen! Wer den Test besteht, wird in unser regionales und globales Netzwerk aufgenommen. Alle anderen regen wir dazu an, den nächsten Schritt in Richtung Nachhaltigkeit zu tun.

So entsteht ein (regionaler und globaler) Nachhaltigkeits-Navigator, an welchem sich ganzheitlich denkende Menschen orientieren können.

Mitmachen kann jeder,
der journalistische Fähigkeiten besitzt, einen nachhaltigen Ernährungs-Blog betreibt, nachhaltige Ernährung lebt und sich für eine nachhaltigere Welt einsetzen möchte.


Weitere Informationen:

Verlag für Natur & Mensch
Im Gogelsfeld 11
71543 Wüstenrot
07945-943969
mh@naturscheck.de

 

 

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