WAS MACHEN WIR, WENN ES KEINE LUFT MEHR ZUM ATMEN GIBT? - Interview mit dem Comedian, Vegetarier und Tierschützer KAYA YANAR

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kaya Yanar ist auf der Bühne ein echtes „Multi-Kulti-Talent“. Bekannt wurde der deutsch-türkische Comedian vor allem mit den Bühnenfiguren, die er in der Fernsehshow „Was guckst du“ verkörperte. Keine Sendung ohne den Türsteher Hakan („Du kommst hier net rein“) mit dem harten Blick und dem doch manchmal weichen Herz, oder dem tollpatschigen Ranjid, der als Süperagent den deutschen Alltag auf der Straße gehörig durcheinander bringt. Dank der Fähigkeit, deutsche Klischees mit denen anderer Kulturen zu vermischen, besitzt Kana Yanar längst Kultstatus unter seiner großen Fanschar. 

Lachtränen garantiert auch Yanars aktuelles Programm „Ausrasten für Anfänger“, mit dem der Comedian derzeit durch die Lande tourt. Zwischen den einzelnen Auftritten nahm sich Kaya Yanar Zeit, dem NATURSCHECK unter anderem die Frage zu beantworten, warum er Vegetarier ist – und warum Humor auch in politisch schwierigen Zeiten die beste „Waffe“ bleibt.


Lieber Kaya Yanar, in Ihrer Kult-Comedyreihe „Was guckst du?“ sind Sie in verschiedene Rollen geschlüpft, haben dabei auch erfolgreich mit kulturellen Klischees gespielt und humorvoll für mehr Toleranz zwischen einzelnen Kulturkreisen geworben. Im Moment gibt es weltweit viele politische Baustellen. Bei welchen aktuellen Konflikten würden Sie gerne wieder in eine Ihrer Rollen schlüpfen, um den täglichen Nachrichtenwahnsinn auf die Schippe zu nehmen?

Kaya Yanar: In den aktuellen Diskussionen geht es um viele Ängste, aber auch um hartnäckige Vorurteile und Klischees. Teilweise sind es Vorurteile, die wir in der Öffentlichkeit nicht aussprechen dürfen, weil wir selber nicht verurteilt werden wollen.

In meiner Ethno-Comedy werden verschiedene kulturelle Situationen übertrieben dargestellt. Ich machte schon immer bewußt keinen Halt vor Vorurteilen oder Klischees. Warum auch? Sie existieren, auch wenn wir dies manchmal nicht zugeben wollen. Und durch einen gezielten Witz können die Menschen über die Themen einfach mal befreit lachen und sich vor jeglichen Zwängen der Gesellschaft lösen.

Ich mag die Rollen, weil sie daran erinnern, daß hinter jedem Thema auch nur ein Mensch steckt, mit seinen Unsicherheiten und Fehlern. Deshalb erschuf ich auch eine Rolle wie beispielsweise Hakan, der einem ungezogenen türkischen Migranten ein Gesicht gibt und über den wir schmunzeln können, weil er eigentlich nicht so böse ist, wie er nach außen gerne tut.

In der aktuellen Flüchtlingsproblematik wäre ein solcher Ansatz nicht schlecht, und ich glaube, daß ein Format wie „Was guckst du?“ daher auch in die heutige Zeit passen würde. Von narzißtischen Politikern bis zu kulturellen Mißverständnissen zwischen Ausländern und Deutschen könnte man alles wunderbar spielen und vielleicht etwas Ernsthaftigkeit aus der Situation nehmen.
 

Können wir Ihnen ein aktuelles Statement zu den beiden brisanten Themen „Integration“ und „Rechtsruck in Europa“ entlocken?

Kaya Yanar: Generell bin ich ein Komiker, der die Menschen zum Lachen bringen möchte, und kein Politiker. Ich sehe die Welt nicht links oder rechts, nicht schwarz oder weiß, sondern ziemlich bunt ;-) Ich verurteile aber generell keine Menschen, sondern überlege mir, weshalb sie eine gewisse Meinung vertreten. Aus meiner Kindheit kenne ich natürlich die Schwierigkeiten und Hürden einer ausländischen Familie, ich habe aber auch sehr viel Wohlwollen der Deutschen erlebt und bin bis heute dafür dankbar.

Das Thema ist für mich für ein klares Statement zu komplex, aber ich glaube, unschöne Diskussionen gehören leider dazu, wie eine gesunde Beziehung auch eine Streitkultur braucht. Wir sollten uns dabei aber gegenseitig auch zuhören, sonst bringt alles nichts. Weiterhin sollten wir über die Flüchtlingsursachen nachdenken und nicht nur über die Symptome. Die Flüchtlinge sind nur ein Spielball der globalen Politik und wir eigentlich auch - nur sind wir zufälligerweise momentan auf der angenehmeren Seite.


Ihre Eltern stammen ursprünglich aus der türkischen Stadt Antakya. Sie sind in Frankfurt am Main aufgewachsen. War die Großstadt Frankfurt für Sie ein guter Nährboden für die Entwicklung von humorvollen und multikulturellen Parodien auf der Bühne?

Kaya Yanar:
Ja sehr. Ich hatte Freunde aus allen möglichen Herkunftsländern und zehre heute noch von diesen frühen Begegnungen in meinem Leben. Es war wirklich der perfekte Start für eine Ethno-Comedy-Karriere und machte mich zu einem lebenslangen Fan von unterschiedlichen Sprachen und Kulturen.


Ab wann reifte in Ihnen die Idee, beruflich auf der Bühne zu stehen. Gab es da Aha-Erlebnisse?

Kaya Yanar:
Ehrlich gesagt, habe ich lange nicht gewußt, wo es mit mir hingehen soll. Irgendwie paßte ich einfach nicht in die Gesellschaft. Ich habe dann mit kleinen Animations-Jobs auf Messen und Geburtstagen begonnen, war dann aber immer unzufrieden, weil ich die Witze der Agentur vorlesen mußte. Die Witze waren in meinen Augen ziemlich schlecht, also schrieb ich meine eigenen und machte bei Comedy-Wettbewerben mit. Als Vorbilder hatte ich einige bekannte Gesichter aus den USA und Großbritannien. Die klassische reduzierte Stand Up Comedy fasziniert mich bis heute und prägt auch immer noch meine aktuellen Bühnenshows.


Sie sind Veganer und setzen sich unter anderem für die Tierschutzorganisation PETA ein. Seit wann und warum sind sie Veganer?

Kaya Yanar:
Irgendwann habe ich mir überlegt: „Was … wenn Petrus eine Kuh ist?!“. Könnten Sie diesem Petrus vor dem Himmelstor in die Augen schauen? ;-) Ich bin seit 11 Jahren Vegetarier und versuche mich nun seit 4 Jahren vegan zu ernähren, was sich leider auf der Tour als ziemlich schwierig erwies. Teilweise kann ich also nicht 100 Prozent vegan leben, auf Fleisch verzichte ich aber seit 11 Jahren komplett.


Welche Tipps haben Sie für Menschen, die sich oder ihre Kinder gesünder ernähren möchten?

Kaya Yanar:
Ehrlich gesagt, ist das für mich nicht immer einfach. Auf Tour sitze ich oft stundenlang im Auto, und unterwegs gibt es auch nicht immer das beste Essen. Aber generell sollten die Mahlzeiten so naturbelassen sein, wie es halt in der heutigen Gesellschaft möglich ist. Wir sind zum Beispiel total verzuckert. Es ist schon eine Sauerei, in wie vielen Produkten im Supermarkt Zucker beigesetzt wurde, ohne daß wir es wissen! Smoothies liebe ich, Fertiggerichte gehen gar nicht! Außerdem versuche ich mich regelmäßig zu bewegen.


Was muß sich Ihrer Meinung nach in der heutigen Landwirtschaft am dringendsten ändern, damit das Tierwohl und die Artenvielfalt gefördert werden?

Kaya Yanar:
Daß die Tiere immer noch als Lebewesen zweiter Klasse gesehen werden, macht mich traurig. Sie sollten nicht als Nutztiere gesehen werden. Wenn sich diese Grundeinstellung und die entsprechende Empathie für die Lebewesen ändern würde, würde sich, meiner Meinung nach, sehr vieles automatisch verbessern.

Dasselbe gilt für die Erde. Weder die Erde noch die Tiere existieren, um der Menschheit als Untertan zu dienen. Der Mensch hat sich Erde und Tiere Untertan gemacht, und was ist dabei herausgekommen? Globale Erwärmung, Abholzung des Regenwaldes, Aussterben verschiedener Tierarten. Wir tun so, als ob wir das wichtigste Wesen im Universum sind, aber was machen wir, wenn es keine Luft mehr zum Atmen gibt? Wir sind von dieser Erde abhängig und sollten uns um sie und alle Lebewesen darauf kümmern. Das ist meine Überzeugung.


Sie haben unter anderem Philosophie studiert. Können Sie sich noch an ein philosophisches Zitat aus Studientagen erinnern, das Sie bis heute prägt?

Kaya Yanar:
„Ich weiß, daß ich nichts weiß.“ - Sokrates … war das Motto in meinem Studium und bewahrheitet sich bis heute noch in meinem Leben.


Soziales Engagement scheint Ihnen wichtig zu sein. Sie unterstützen auch den Förderverein für krebskranke Kinder in Tübingen. Wie sieht Ihr Engagement für krebskranke Kinder aus, und gibt es weitere Initiativen, die Sie mit Ihrem Namen unterstützen?

Kaya Yanar:
Ja, dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen. Ich besuche seit einigen Jahren die Kinderkrebsabteilung in Tübingen. Dabei konnte ich die Kinder kennenlernen, mich mit ihnen unterhalten und habe versucht, sie etwas abzulenken. Die Begegnungen haben mich sehr fasziniert, weshalb ich irgendwann beschloß, einen ganzen Auftritt diesen Kindern zu widmen.

Nun organisieren wir für den 17. Dezember 2018 die Bühnenshow mit dem Titel „Unsere kleinen Krieger“ in Stuttgart, bei dem sogar mein Kollege, Martin Rütter, mit auf der Bühne stehen wird. Dies ist eines meiner größeren Projekte, für welches mein Team die Organisation komplett übernommen hat. Nebenbei hatte ich immer wieder kleinere Engagements für Menschen und Tiere, aber ich möchte für die Zukunft mehr Zeit für eigene Benefiz-Projekte investieren.


Herr Yanar, wir bedanken uns für das interessante Gespräch.

 

Das Interview führte Andreas Scholz
Foto: Daniel Preprotnik 
 

Zusatzinfo:
 Aktuelles Live-Programm "Kaya Yanar: Ausrasten für Anfänger"

Termine in der Nähe der NATURSCHECK-Region:
24.03.2018 Stuttgart (Porsche Arena)
25.03.2018 Karlsruhe (Konzerthaus)
09.11.2018 Pforzheim (ConcressCentrumPforzheim)
17.12.2018 Stuttgart (Benefizevent in der Liederhalle) 

Weitere Infos unter:
www.kaya-yanar.de

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07945-943969
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