NATAKATS – Portrait der Digitalkünstlerin Natalia Bonilla Vigo

Wer Katzen liebt, dem wird das Herz aufgehen

von Michael Hoppe

Kritische Stimme behaupten, daß man kreative Werke, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschaffen wurden, überhaupt nicht Kunst nennen darf. Denn da entsteht vieles auf Knopfdruck und in einer Qualität, zu der ein Mensch kaum in der Lage wäre. Natalia Bonilla Vigos außergewöhnliche Schöpfungen zeigen, daß auch in der digitalen Welt der Künstler den virtuellen Pinsel führt und seinen ganz eigenen und einzigartigen Stil entwickeln kann. Tauchen Sie ein in ihre Welt – und sie werden den Unterschied sehen, hören und fühlen.


Liebe Natalia, als wir deine großartigen NATAKATS-Videos auf Facebook entdeckt haben, waren wir sofort begeistert. Ebenso von deinen anderen, oft surrealistischen Motiven. Allerdings haben wir nirgendwo deine Vita gefunden. Daher: Woher kommst du, wo lebst du, und wie bist du Digitalkünstlerin geworden? (Ist das das richtige Wort?)

Natalia Bonilla Vigo: Ich komme aus Uruguay, habe aber in verschiedenen Ländern gelebt, wie Paraguay; Marokko und Spanien, wo ich seit 25 Jahren lebe. Ich liebe es, zu reisen, und ich denke, das hat meine Kunst beeinflußt.

Zudem entstamme ich einer Familie von Künstlern und Kreativen. Mein Bruder ist Sänger, mein Vater war ein sehr talentierter Mann, der zeichnete, malte und modellierte, und meine Mutter ist ebenfalls eine sehr kreative Person, die Decoupagen und andere handgefertigte Dinge macht. Ich denke, Kreativität ist etwas, das man vererbt hat, oder?

Als Grafikdesignerin habe ich mich schon immer für die Welt der 3D-Animation begeistert. Als ich künstliche Intelligenz entdeckte, dachte ich, es sei ein super nützliches Werkzeug, um meiner Fantasie freien Lauf zu lassen und Dinge zu schaffen, die ich vorher nicht tun konnte. Ich liebte die Idee, meine Leidenschaft für Design und Technologie zu kombinieren, um etwas Neues und Aufregendes zu schaffen.

Obwohl ich schon immer ein bißchen ein Wanderer im Leben war und mich nie zu lange an einem Ort aufgehalten habe, war ich immer auf irgendeine Weise mit der Kunst verbunden. Ich habe zwei Jahre Filmregie studiert und vier Jahre in einer Werbeagentur gearbeitet. Ich hatte einen etwas unkonventionellen Weg – aber ich denke, es hat sich alles gelohnt, um dorthin zu gelangen, wo ich jetzt bin.

Internet-Künstlerin bin ich eher zufällig geworden (ich bin mir nicht sicher, ob das der richtige Begriff ist!). Ich habe angefangen, mit KI-Programmen zu experimentieren, um Kunst zu generieren, weil ich es faszinierend fand, mit Hilfe einer Maschine etwas Neues und Originelles zu schaffen. Ich liebte den Prozeß des Erkundens und Entdeckens, und nach und nach verbesserte ich meine Fähigkeiten und entwickelte meinen eigenen Stil. Jetzt widme ich mich hauptberuflich dem Schaffen von Kunst mit KI – oder fast: weil ich immer noch mit anderen Arbeiten jonglieren muß.

Künstliche Intelligenz übertrifft uns Menschen bereits in vielen Arbeitsbereichen. Das birgt natürlich auch ein Risiko für Künstler, daß man fast die ganze Arbeit der Maschine überlassen könnte. Wie groß ist dein eigener Beitrag, und wie groß ist der Beitrag der KI zu deinen Figuren?

Natalia Bonilla Vigo: Künstliche Intelligenz kann sehr schöne Bilder (h)erstellen. Doch die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Bilder zu erschaffen, die du willst, und nicht nur die, die die Maschine (h)erstellen möchte. In meiner Kunst ist es klar, daß dies die Bilder sind, die ich will, weil sie einen sehr persönlichen und kohärenten Stil haben.

Ich denke, daß meine Erfahrung in der Arbeit mit künstlicher Intelligenz der Schlüssel dazu war, meine Fähigkeit zu entwickeln, das Tool zu kontrollieren und die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Ich fing an, mit sehr einfachen und kostenlosen Programmen zu arbeiten, was mich dazu zwang, sehr kreativ zu sein und hart zu arbeiten, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Trotz dieser Einschränkungen habe ich zu Beginn mehrere KI-Wettbewerbe gewonnen, was mir viel Selbstvertrauen und Motivation gegeben hat, weiterzumachen.

Die Tatsache, daß ich mit dem Schlimmsten angefangen habe und kämpfen mußte, um Ergebnisse zu erzielen, hat mich dazu gebracht, meine Fähigkeiten und meinen Stil zu entwickeln. Ich verbrachte Stunden und Stunden damit, zu experimentieren, auszuprobieren und Fehler zu machen, bis ich schließlich die Ergebnisse erzielte, die ich wollte.

Es war ein anstrengender Prozeß, aber es hat sich gelohnt, denn es hat mir ermöglicht, eine einzigartige Vision und einen einzigartigen Stil zu entwickeln.


Was ist das Besondere an deiner Arbeit, und wie können wir uns den Entstehungsprozeß dahinter vorstellen? Wie arbeitest du??

Natalia Bonilla Vigo: Mein Arbeitsprozeß ist sehr detailliert und akribisch. Wenn ich eine Idee habe, fange ich sofort an, daran zu arbeiten und erkunde verschiedene Richtungen und Möglichkeiten. Ich experimentiere gerne und probiere neue Dinge aus, daher mache ich oft viele Tests und Veränderungen, bis ich das perfekte Bild habe. Ich überlasse nichts dem Zufall – jedes Detail wird sorgfältig durchdacht und angepaßt, um sicherzustellen, daß das endgültige Bild genau so ist, wie ich es möchte.

Das kann ein langer und mühsamer Prozeß sein, aber ich denke, es lohnt sich, um sicherzustellen, daß das Ergebnis von hoher Qualität ist.
Meine Arbeit zeichnet sich durch die Erschaffung von anthropomorphen und liebenswerten weisen Katzen aus – den NATAKATS –, oft mit gedämpften Farben und manchmal lebendigen und komplizierten Details.

Ich erforsche auch gerne andere Themen wie Surrealismus, soziale Kommentare und andere tiefgründige Themen, obwohl ich das nicht so oft tue, weil die meisten Leute meine süße Katzenkunst sehen wollen. Ich finde es interessant, diese Themen zu erforschen, aber ich genieße es auch, Kunst zu schaffen, die den Menschen Freude und Glück bringt.

Der kreative Prozeß hinter meiner Arbeit ist ein bißchen magisch, da ich Ideen oft in meinen Träumen bekomme. Ich habe bemerkt, daß mein Unterbewußtsein immer an neuen Ideen arbeitet, und manchmal wache ich mit einem klaren Bild einer Katze in meinem Kopf auf. Dann beginne ich damit, dieses Bild auf dem Bildschirm zum Leben zu erwecken, indem ich Details und Texturen hinzufüge, um den Charakteren Leben einzuhauchen.

Ich denke gerne, daß meine Katzen ein Spiegelbild meiner eigenen Persönlichkeit sind, mit ihren Eigenheiten und ihrer Unabhängigkeit. Ich glaube, daß Kunst eine Möglichkeit ist, das auszudrücken, was wir nicht mit Worten sagen können, und ich hoffe, daß meine Arbeit ein wenig von der Magie und Freude vermitteln kann, die ich beim Erschaffen spüre.


Sobald ich das endgültige Bild habe, beginne ich mit der Arbeit an der Musik. Ich kreiere für jedes Video einen speziellen Song, der zum Ton und zur Atmosphäre des Bildes paßt. Die Musik ist ein integraler Bestandteil des Videos, der das Bild perfekt ergänzen und aufwerten sollte.

Zum Schluß bearbeite ich das Video und versuche, die Musik und die Bilder perfekt zusammenzufügen. Ich spiele gerne mit Pausen, Tempo- und Tempowechseln, um einen Rhythmus und Fluß zu schaffen, der attraktiv und aufregend ist. Es ist ein Prozeß, der viel Liebe zum Detail erfordert, aber es gibt mir viel Befriedigung, wenn alles zusammenkommt.

Du hast gefragt, ob die KI den Menschen im kreativen Prozeß ersetzen kann. Nein, das kann sie nicht, weil sie Anweisung und Anleitung braucht, um etwas zu schaffen. KI kann beeindruckende Bilder erzeugen, aber sie kann ohne menschliches Eingreifen nichts völlig Neues und Originelles schaffen. Zumindest noch nicht.

Die KI kann nichts alleine erschaffen – sie braucht mich, um ihr zu sagen, was ich will, wie ich es will, die Farben, den Stil. Es braucht sehr detaillierte und spezifische Aufforderungen, um etwas zu generieren, das dem nahe kommt, was der Mensch im Sinn hat.

Die Kreativität und Vorstellungskraft des Menschen sind unerläßlich, um die KI zu lenken und den Bildern, die sie erzeugt, Sinn und Zweck zu verleihen. KI ist ein mächtiges Werkzeug – aber es ist nur das, ein Werkzeug. Es ist der Mensch, der die Vision und Richtung vorgeben muß, um etwas wirklich Einzigartiges und Besonderes zu schaffen.


Vielen Dank für den Einblick in deinen komplexen Arbeitsprozeß. Letztlich kann sich jeder selbst ein Bild von den wunderschönen und harmonischen Resultaten machen. Jedes Detail scheint am perfekten Platz zu sein. Wie können die Menschen deine Arbeit sehen, wenn sie nicht in den sozialen Medien aktiv sind? Gibt es Drucke oder andere Präsentationsformen?

Natalia Bonilla Vigo: Die Wahrheit ist, daß meine bisherige Arbeit ein überwältigender Prozeß für mich war. Ich bin eine alleinstehende Person, die ohne jegliche Hilfe oder Unterstützung an meiner Kunst arbeitet. Und ich war lange nicht in der Lage, mich dem Vollzeit zu widmen. Ich mußte an anderen Dingen arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, was das Wachstum meiner Kunst etwas verlangsamt hat.

Dank der Unterstützung meiner „Follower“ (ich mag den Begriff nicht wirklich, er klingt unbescheiden) beginne ich jedoch, mich auf den Weg zu konzentrieren, den ich gehen möchte. Ich habe beschlossen, einen Shopify-Shop zu eröffnen, in welchem ich meine Musik, meine digitale Kunst sowie Keramik- und Epoxidharzprodukte verkaufen werde.

Ich bin begeistert von den NATAKATS, meinen anthropomorphen Katzen, und ich hoffe, daß euch meine Kreationen genausoviel Spaß machen wie mir.

Der Web-Shop wird ein Ort sein, an dem Interessierte eine Vielzahl einzigartiger und origineller Produkte finden können. Ich freue mich darauf, meine Kunst mit anderen Menschen zu teilen, und ich hoffe, daß viele mich bei diesem neuen Kapitel meines künstlerischen Abenteuers begleiten werden.


Eine letzte Frage: Bringst du anderen Menschen bei, wie man Digitalkünstler wird, und arbeitest du mit anderen Künstlern zusammen?

Natalia Bonilla Vigo: Nein, um ehrlich zu sein, widme ich meine Zeit am liebsten dem Kreieren und genieße den kreativen Prozeß. Ich ziehe es vor, etwas zu tun, als zu unterrichten. Was Kollaborationen angeht, nein, ich arbeite nicht mit anderen Künstlern zusammen. In diesem Sinne bin ich ein bißchen ein Einzelgänger, lasse mich von meinen eigenen Ideen und Visionen inspirieren und arbeite am liebsten selbstständig.

Ich folge keinen anderen Künstlern und vergleiche mich nicht mit irgendjemandem, sondern mache einfach das, was ich in meinem Kopf habe.

Ich habe eine künstlerische Ausbildung und Erfahrung in der Welt der Kunst und Kreativität. Ich habe Filmregie studiert, in einer Werbeagentur gearbeitet und viele Kunstausstellungen besucht, aber im Moment kommt meine Inspiration von innen, nicht von außen. Daher mag ich es, meine eigenen Ideen zu erforschen und etwas Neues und Originelles zu schaffen.


Liebe Natalia, ganz herzlichen Dank für deine interessanten Einblicke in die Welt der digitalen Kunst. Und dafür, daß wir eines deiner Bilder für unser Magazin-Cover verwenden durften. Wir werden unsere Leser auf dem Laufenden halten, wann deine Werke auch in der „analogen Welt“ erhältlich sind.

Das Gespräch führten
Michael & Egle Hoppe

Weitere Informationen
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