Manchmal kippt ein politisches Thema plötzlich ins Persönliche und zeigt, wie brisant es wirklich ist. Während es derzeit viele hoffnungsvolle Entwicklungen für eine europaweite gesetzliche Verankerung des Bargeldes gibt, wurde ich selbst tief getroffen: Ende Januar kündigte die Fyrst-Bank überraschend mein Spendenkonto – ohne Vorwarnung oder Begründung.

Plötzlich war der Kampf für den Erhalt des Bargeldes nicht mehr nur politisch, sondern sehr persönlich. Besonders auffällig war der Zeitpunkt: Kurz zuvor hatte DIE ZEIT einen Artikel veröffentlicht, mit dem ich und die Bargeldpetition www.bargelderhalt.eu in ein schlechtes Licht gerückt wurden. Vielleicht war ich naiv, einem so großen Medium ein Interview zu geben. Mehrere Menschen hatten mich davor gewarnt. Doch ich sagte zu – denn wenn Bargeld europaweit geschützt werden soll, muß dieses Thema in die großen Medien. Es betrifft uns alle, nicht nur eine kleine Gruppe.
Die Interview-Anfrage kam am 28. Juli 2025. Über fünf Monate standen wir in engem Kontakt: rund 40 E-Mails, mehrere Telefonate und ein persönliches Treffen am Bodensee am 23. September. Ich erklärte Hintergründe, lieferte Fachinformationen und sprach über die gesellschaftliche Bedeutung von Bargeld – offen, kooperativ, in der Hoffnung auf eine sachliche Darstellung. Doch das Ergebnis war ernüchternd. Der Artikel wirkte eher wie ein Thriller:
„Rechtspopulisten kapern das Thema, und selbst eine altehrwürdige Institution wie die Bundesbank gerät zwischen die Fronten. (-) Bargeldverfechter finden, am 50-Euro-Schein hänge unsere Freiheit. Und finden Zuspruch. Besonders von rechts. (-) In solchen Momenten klingt er [Stützle] wie einst die Kritiker der Coronamaßnahmen, die andere als ‚Schlafschafe‘ bezeichneten – unfähig, das Unheil zu erkennen, das gerade auf die Gesellschaft zurollt.“
Zentrale Fakten wurden ausgeblendet, das Thema einseitig zugespitzt, journalistische Standards verletzt. Der Artikel zeigt beispielhaft, wie die etablierte Presse arbeiten kann – und bietet damit Gelegenheit, daraus zu lernen. Deshalb habe ich eine ausführliche Video-Gegendarstellung erstellt, die Sie unter folgendem Link finden: http://bargelderhalt.info/zeit. Daß nur drei Wochen später mein Konto gekündigt wurde, unterstreicht die Brisanz des Themas auf unerwartete Weise.
Und doch gibt es Entwicklungen, die Mut machen:
Unter Federführung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen wurde der Appell „Bargeld muß bleiben“ veröffentlicht. Sozialverbände wie Caritas, Diakonie und VdK haben sich angeschlossen, um die Bundesregierung aufzufordern, Bargeld gesetzlich zu schützen. Das sind Organisationen, denen wir in den Monaten zuvor Fachinformationen zum Bargelderhalt zur Verfügung stellten. Diese Grundlagenarbeit zeigt jetzt Wirkung, und die Sozialverbände sind aktiv geworden.
Auch politisch bewegt sich etwas: Am 19. Dezember 2025 legte der EU-Ministerrat einen Gesetzesentwurf vor. Bargeld soll künftig im Handel zwingend angenommen werden. Geschäfte dürften Barzahler nicht mehr länger abweisen. Daß dieses Thema nun auf der europäischen Bühne angekommen ist, zeigt, daß unser Einsatz Wirkung erzielt.
Auch wenn für mich persönlich der Einsatz für das Bargeld immer brisanter und „gefährlicher“ wird, zeigt es, daß wir kurz vor der Entscheidung stehen. Ansonsten würden sich die Dinge nicht so aufwiegeln. Und das kann man sehr wohl als gutes Zeichen bewerten. Der Kampf um die gesetzliche Verankerung des Bargelds befindet sich gerade in einer entscheidenden Phase.
Nach dem offiziellen Plan sollen die Verordnungsvorschläge zum E-Euro und zum Bargeld, die derzeit im Währungsausschuß des Europäischen Parlaments überarbeitet werden, im Mai 2026 im Plenum abgestimmt werden. Helfen Sie mit, den Druck auf die Politik zu erhöhen, und setzen Sie ein Zeichen für das Bargeld – unterzeichnen Sie jetzt meine Bargeld-Petition unter www.bargelderhalt.eu.
Autor
Hansjörg Stützle
Buchtipp:
Das Bargeld-Komplott
Hansjörg Stützle
ISBN: 978-3-89060-390-2
Preis: 20,00 Euro
Kontakt:
www.bargeldverbot.info
www.bargelderhalt.eu
www.wertvollleben.net